Leseprobe
Leseprobe "Räuberhöhle"
Geschehnisse
Es roch angenehm nach Kaffee und Rainer hatte
das Kastellauner Amtsblatt mit den
Wohnungsangeboten aufgeschlagen. Doro kam mit
der Thermoskanne zum Tisch und schaute ihn
fragend an.
„Ich habe noch nicht nachgesehen“, sagte er und
schenkte sich erst mal einen Kaffee ein.
„Dann tu es - oder kommen dir Bedenken?“,
antwortete Doro.
Sie hatten beschlossen, zusammen zu ziehen. Seit
über einem Jahr wohnten die beiden nun schon in
Doros kleiner Wohnung im Herzen von Kastellaun,
was ihnen beiden eigentlich sehr gut gefiel. Es
war nur etwas knapp für zwei Personen. Entweder
wollten sie in eine größere Wohnung oder lieber
noch in ein kleines Häuschen in der
unmittelbaren Umgebung von Kastellaun ziehen.
Rainer hatte sich in seiner neuen Heimat gut
eingelebt.
„Hast du was gefunden? In der Zeitung, meine
ich“, fuhr sie fort.
„Da, da ist was in Alterkülz, äh, wo ist das?“,
fragte Rainer verdattert und dachte bei sich, ob
diese Frau vielleicht doch Gedanken lesen
konnte. Oder waren Männer so leicht zu
durchschauen?
„Das ist gleich um die Ecke, wenn man an der
Kaserne hochfährt kommt erst Hasselbach und dann
Alterkülz“, gab Doro zurück. „Was hast du denn
gefunden?“
„Da ist ein Haus zu mieten, es steht zwar direkt
an der Straße, aber könnte für unseren
Geldbeutel reichen.“
„In Alterkülz stehen alle Häuser direkt an der
Straße, das ist das längste Dorf im Hunsrück“,
gab Doro lachend zurück.
„Und wie groß ist das?“
„Keine Ahnung, vielleicht so vier -bis
fünfhundert Einwohner. Schau doch mal im
Internet nach, es gehört zur Verbandsgemeinde
Kastellaun“, forderte Doro Rainer auf.
„Gleich, jetzt lass mich erst mal in Ruhe
frühstücken. Ich schau nach, ob noch mehr Häuser
drin stehen. Hier ist noch eines in Roth, das
ist aber nur zu kaufen und noch eins in Bell,
das ist auch zu mieten“, sagte Rainer. „Die
Bedenken, die ich habe, gehen in eine andere
Richtung: Ist denn auf den Dörfern auch was los?
Ich meine abgesehen von Feuerwehr -oder
Sportfesten?“
„Also, in Alterkülz ist das Gasthaus ‚Zur Post’,
die machen regelmäßig Ü-30 Tanzabende. Da kann
man auch gute Schnitzel essen, sogar
XXL-Schnitzel und die haben einen Biergarten.
In Bell ist das Bell Vue, die machen jedes
Wochenende Musik, von Liedermachern über Latin
bis Rock und Punk. Also überleg dir vorher, wo
du hinziehen willst. Tanzschule oder Headbanger.“
„Vielleicht schauen wir uns die Häuser erst mal
an und sehen zu, dass wir überhaupt ein Häuschen
kriegen. Wir werden ja nicht die Einzigen sein,
die was suchen. Und die Vermieter müssen wir
dann auch noch überzeugen“, gab Rainer zu
bedenken.
„Mich überzeugst du auf Anhieb“, meinte Doro und
setzte sich auf Rainers Schoß.
„Du mich auch“, gab dieser zurück und sie
überließen sich einem langen Kuss.
(…)
Ein paar Monate zuvor, in Wien
Sein Schachpartner war tot. Dämlicher, alter
Professor. Was musste er auch früher heimkommen
von seiner Pufftour. Ferdinand Mayerling, der
umsichtige Hauswart mit dem großen
Schlüsselbund, mit dem er für den Notfall in
jede Wohnung hineinkam, ärgerte sich. Er hatte
doch alles minutiös geplant. Der Professor hatte
ihm während der stundenlangen Schachpartien
immer mal wieder von den menschlichen Abgründen
berichtet, in die er während seiner
therapeutischen Tätigkeit hinein geschaut hatte
und die er auf seinen Tonbändern archiviert
hatte. Natürlich ohne jemals Namen zu nennen.
„Jeder Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt
einem, wenn man hinab sieht“, zitierte er hin
und wieder aus Büchners „Woyzeck“. Und nun wurde
ihm ein solcher Abgrund zum eigenen Verhängnis.
Ferdinand Mayerling stand regungslos da und
schaute in die leeren Augen des Professors. So
sah der Tod also aus. Leer und banal. Eine
einfache Hülle, unbelebt und unschön. Wie
schnell kein Funke von Beseelung mehr zu
erkennen ist. Und hier stand er, Ferdi der nette
Hauswart, Handlanger des Sensenmannes. Ein
Unfall, es war nicht mehr als ein Unfall. Der
angedüddelte alte Mann war auf die Leiter
gestiegen, um ein Tonband herunterzuholen und
hatte den Halt verloren. Tragisch aber
realistisch. Ferdi hob das Tonband auf, das er
hatte fallen lassen, als er zur Leiter sprang
und wischte es mit seinem Taschentuch ab. Dann
warf er es in einiger Entfernung vom Toten auf
den Boden, damit die realistische Inszenierung
perfekt war. Er wollte die Leiter an den
Stellen, an denen er sie angefasst hatte
abwischen, ließ es aber. Er war schließlich der
Hauswart, weshalb also sollte er die Leiter nie
angefasst haben? Der alte Herr brauchte doch
öfter mal Unterstützung. Es wäre also nicht
logisch gewesen, wenn seine Fingerabdrücke nicht
auf der Leiter zu finden gewesen wären.
Mit einem langen Blick vergewisserte er sich,
dass er auch nichts vergessen hatte. Er
überprüfte das Szenario und kam zu dem Schluss,
dass alles stimmte. Dann nickte er kurz dem
Toten zu und verließ die Wohnung so leise er
konnte. Der Rest war ein Kinderspiel. Er würde
wie immer am nächsten Tag beim Professor läuten,
um die angefangene Schachpartie zu beenden.
Dieser würde nicht öffnen. Tags darauf würde er
es erneut versuchen und sich Gedanken um den
alten Mann machen. Er würde die Polizei
verständigen und mit einem Beamten den zu Tode
gestürzten Professor finden. Da es keine
Nachkommen und auch sonst keine Verwandten mehr
gab, würde er als Hausbesorger den Auftrag
bekommen, die Wohnung zu entrümpeln und voilà –
dann wären die Bänder sein und er hätte alle
Zeit der Welt, sie abzuhören.
(…)
Geheimnisse
„Ah, da ist ja wieder unser Wiener“, begrüßte
Rainer Ferdi, als er ihn im Pub an der Theke
sitzen sah.
„Ja Servus, Rainer, irgendwo muss der Mensch ja
sein und hier ist es ja recht nett bei der
Ellen“, gab dieser zur Antwort.
„Ja ja, nett ist es hier“, fiel sie ein. „Noch
ein nettes Pilsken für den Ferdi und ein nettes
Guinness für dich, Rainer?“
„Aber immer doch, deswegen bin ich ja hier“,
antwortete dieser.
„Wo ist die gnädige Frau?“, wollte Ferdi wissen.
„Doro muss morgen früh arbeiten, sie liegt schon
im Halbschlaf auf dem Sofa und schaut
Fernsehen“, klärte Rainer auf.
„Und was macht euer Buch? Immer noch Geheimnisse
im Petto?“
„Es geht voran, heute hat mir der Autor ein paar
Fotos von dem Titelbild gemailt. Eine
herbstliche Landschaft, ein wenig melancholisch
vielleicht, aber durchaus brauchbar für den
Umschlag“, antwortete Rainer.
„Melancholisch ist mir auch zu mute. Irgendwie
vermisse ich Wien. Das bunte Treiben auf dem
Naschmarkt, mein Heuriger und das Kerzenstüberl,
den Palatschinken … “, Mayerling machte eine
kleine Pause und schaute nachdenklich auf sein
Bier. „Hör mal zu, mein Spezi, ich muss mal mit
dir unter vier Augen reden.“ Er nahm sein Bier
und bedeutete Rainer mit ihm an einen Tisch im
vorderen Teil des Pubs zu kommen. Rainer nahm
sein Guinness und folgte Ferdi.
„Was ist denn los, warum so geheimnisvoll?“,
wollte er wissen, als sie sich hingesetzt
hatten.
„Also, hör gut zu, was ich dir jetzt erzähle,
darfst du nicht weiter erzählen“, fing Ferdi
seine Ausführungen an.
„Ich bin nicht hier, um Windkraftanlagen zu
sichten, das ist nur ein Schmarren, den ich mir
ausgedacht habe. Ich bin was am recherchieren.
Pass auf, das alles hat angefangen, als mein
Onkel, Gott hab ihn selig, vor einem halben Jahr
verstorben ist. Da er sonst keine Verwandtschaft
mehr hatte, hab’ ich halt das Erbe angetreten.
Mein Onkel war ein komischer Kauz, war so ein
Therapeut von den besseren Leuten, wennst weißt,
was ich meine. Jedenfalls war bei dem Erbe eine
ganze Kiste mit Tonbändern. Er hat seine
Sitzungen aufgenommen. Als ich Zeit hatte, hab
ich mir gedacht, machst dir einen Spaß und hörst
halt mal rein, über was die da so jammern und so
weiter. Ich hol also die Tonbänder raus und seh’
auf zweien die Aufschrift Schinderhannes.
Den kannt’ ich von dem Film. Also hab ich mir
das angehört und das war echt krass, mein
Lieber. Mein Onkel hat da einen Typen, also
Patienten, in Hypnose versetzt und der Kerl
fängt an und erzählt, als wär er der
Schinderhannes gewesen. Verstehst du –
Wiedergeburt und so. Echt unheimlich. Wenn das
stimmt, wie der das erzählt hat, dann ist das ja
echt eine historische Sensation.“
Rainer nippte an seinem Guinness und schaute
sein Gegenüber ungläubig an.
„Das wär die wahre Geschichte des Schinderhannes,
erzählt von ihm selbst, also quasi, halt von
seiner Wiedergeburt“, erklärte Ferdi weiter.
„Stell dir vor, was das bedeutet, wenn das alles
so stimmt.“
„Wenn das alles so stimmt“, wiederholte Rainer,
nur mit der Betonung auf dem wenn.
„Du willst mir also erzählen, dass du Tonbänder
hast, wo einer unter Hypnose erzählt, er wäre
der Schinderhannes gewesen?“, hakte Rainer noch
mal nach, um auch ganz sicher zu sein, dass er
richtig verstanden hatte, was der offensichtlich
geistig verwirrte Wiener ihm soeben erzählt
hatte.
„Rainer, ja. Ich konnt’ es doch auch nicht
glauben. Zehnmal hab ich mir den Schmarren
angehört. Und nicht nur das, er erzählt von Mord
und Totschlag, als wär’ er grad dabei, quasi
Live-Berichterstattung.“
Ferdi trank sein Bier in einem Zug aus und
bestellte sich noch eins, Rainer tat es ihm
gleich.
„Also noch mal ganz langsam und zum
Mitschreiben: Der Typ unter Hypnose erzählt von
Verbrechen, so als würde er sie gerade erleben?“
„Jetzt hast’s kapiert, mein Lieber, so isses.“
„Und deshalb bist du in den Hunsrück gekommen,
um Nachforschungen an Ort und Stelle durch zu
führen?“
„Richtig. Denn wenn das stimmt, dann sind die
Bänder ja ein Vermögen wert. Was glaubst du, wie
das als Buch einschlagen würde. Die wahre
Geschichte des Schinderhannes.“
„Mensch, da hast du ja ein Glück gehabt, das du
zufällig mich getroffen hast“, Rainer war ganz
aufgeregt. „Da kann ich dir bestimmt helfen!“
(…)
Nachdem sich Doro zum Dienst verabschiedet
hatte, schaute Rainer im Internet auf den Seiten
nach, die er schon mal wegen den Informationen
zum Schinderhannes durchstöbert hatte. Er legte
sich eine Karte vom Hunsrück neben den
Schreibtisch und markierte die Orte, die er für
sehenswert hielt. Ein Teil davon lag im
Soonwald, ein anderer in Richtung Lützelsoon und
Hochwald. Das alles war an einem Tag mit einer
Tour nicht zu schaffen. Also beschloss er zwei
Touren zusammenzustellen. Die erste Tour führte
über Simmern zum Schanzer Kopf und Thiergarten,
dann nach Spall und weiter zur
Schinderhanneshöhle bei Pferdsfeld. Weiter
sollte es über die Trifthütte zur Koppenstein
bei Gemünden und dann noch nach
Hochstätten-Dhaun zum dortigen Schloss gehen.
Die zweite Tour sollte sie über die Ruine der
Wasserburg Baldenau nach Kempfeld zur Wildenburg
und weiter nach Bundenbach zur Schmidtburg
führen.
Nicht überall beging Johannes Bückler kapitale
Verbrechen, es waren auch Orte dabei, an denen
sich „nur“ Viehdiebstähle und andere Überfälle
ereigneten. Aber er wollte mitnehmen, was auf
dem Weg lag. Er bündelte seine Erkenntnisse und
druckte die Touren aus, um sie mit Doro anhand
der Karte zu besprechen.
Schinderhannes Tour 1
- Simmern: Flucht aus Schinderhannesturm
- Schanzer Kopf/Thiergarten: Gaststätte
nähe Forsthaus, Mord Seligmann mit Schwarzem
Peter
- Spall: Überfall auf die Ziegelhütte
- Schinderhanneshöhle bei Pferdsfeld/Seesbach:
Versteck von Diebesgut?
- Trifthütte: Räubertreffpunkt
- Koppenstein:
Straßenraub bei Schwarzerden, Bauern ausgeraubt,
Beute bei der Koppenstein aufgeteilt
- Hochstätten-Dhaun: Schweine und
Pferdediebstähle in der Gegend von Schloss Dhaun
Schinderhannes Tour 2
- Ruine Baldenau: Mord am Plackenklos am
Baldenauer Hof
- Bruchweiler/Scheurer Mühle: Hannes war
da und hat sich und seine Gefährten mit
Lebensmitteln versorgt
- Kempfeld/Wildenburg: vertrunkener Louis
d’Or mit Hannfried, Kempfelder Markt - Fremden
Händlern gestohlenen Waren verkauft
- Asbacher Hütte: Raubüberfall auf
Eisenhütte
- Bundenbach: Schmidtburg – Unterschlupf
für Hannes und Julchen
- Zurück über Rhaunen: Konferenz gegen
Räubertum im Hunsrück
Rainer war auf dem Sofa eingeschlafen, als Doro abends nach der Arbeit nach Hause kam. Sie sah die Ausdrucke auf dem Schreibtisch und fuhr die Orte mit dem Finger auf der Karte nach. Rainer wurde wach und blinzelte sie an.
(…)
Sie betraten eine große Lichtung mit einer
Wiese, die sie am linken Rand hinunter gingen.
Der leichte Wind brachte die Blätter zum
Rascheln und immer wieder fielen einige von den
Bäumen hinunter. Es roch nach Pilzen und
Waldboden. Der Weg führte sie an einer Reihe
Fichten vorbei und dann links immer weiter dem
Tal entgegen, aus dem eine frische Kühle
heraufkroch. Sie sahen am Ende des Weges einen
hohen Felsen, der mit seinem Grau aus dem
Gelb-braun der Blätter hervorstach. Dann sahen
sie das schwarze Loch unten am Felsen – die
Höhle. Sie befand sich auf der anderen Seite
eines Baches, der sich durch das wilde Tal
schlängelte. Eine Brücke führte rechts über den
Bach und davor stand, gegenüber der Höhle, ein
Tisch mit zwei Bänken. Die feuchte Waldluft
umfing sie, als sie am Bach ankamen. Die Höhle
war vielleicht gerade einen Meter hoch und
weniger als einen Meter breit. Man konnte sie
nur über den Bach oder auf der anderen Seite
über das feuchte Ufer erreichen.
„Bitteschön, das ist die Schinderhannes-Höhle“,
präsentierte Doro den Anblick.
„Und da soll aner neigekrabbelt sein, um seine
Beute zu verstecken?“, fragte Ferdi ungläubig.
„Tja, ich weiß ja nicht. Schlafen kann man da
drin bestimmt nicht, ist doch total feucht und
dreckig“, ergänzte Rainer.
„Wenn die Polizei hinter einem her ist, warum
nicht?“, entgegnete Doro, „da nimmt man das
Versteck, das man kriegen kann.“
‚Wie recht du hast’ dachte Ferdi bei sich und
nickte vielsagend.
„Brotzeit“, verkündete Rainer, während er den
Rucksack auf den Tisch stellte und eine
Thermoskanne mit Kaffee, Blechtassen, Saft,
Bechern, und diverse Tupperdosen auspackte.
„Oh, da schaut’s her, was hast du denn da alles
dabei?“, erkundigte sich Ferdi.
„Tja, alles Leckereien aus der Region“, ließ
Rainer Ferdi wissen und zählte auf: „Da hätten
wir einmal gutes Vollkornbrot vom heimischen
Bäcker, dann Damwildsalami und
Wildschweinschinken vom Hunsrück, des Weiteren
Apfel-Birnen-Saft vom Rhein und einen guten
Kaffee, zugegeben, der wächst leider nicht hier
bei uns, aber lass dich überraschen, mein lieber
Ferdi.“
Er verteilte Becher, Tassen und Brettchen auf
dem Tisch und schenkte jedem ein. Dann nahm er
ein scharfes Messer und schnitt die Wurst und
den Schinken in Scheiben. Das Brot hatte Doro
schon zu Hause geschnitten, die Butter schenkten
sie sich hier draußen.
„Ah, des is leiwand, ihr habt’s ja eine Melange
dabei“, freute sich Ferdi, nachdem er zunächst
skeptisch den Kaffee probiert hatte.
„Ja, nicht ganz original, aber bei Feinkost
Albrecht gibt es den bei den Cappuccinosorten.“
„Probiert mal den Saft“, forderte Doro die
Männer auf, „den habe ich aus unserer
Rheinwerkstatt aus Boppard. Ist ganz frisch, vor
ein paar Wochen gepresst und abgefüllt. Einfach
lecker die Mischung aus Apfel und Birne“,
schwärmte sie.
„Echt g’schamckig“, pflichtete ihr Ferdi bei,
„und wo habt’s die Wurscht her?“, wollte er
wissen.
„Die ist vom Dirk und der Carmen
vom Berghof, das liegt zwischen Raversbeuren und
Enkirch. Das sind Bekannte von mir, die machen
da Wildspezialitäten“, erklärte Doro.
Rainer kam nicht zum Sprechen, er hatte ständig
den Mund voll und genoss den würzigen Geschmack
des Wildschweinschinkens und der Damwildsalami
auf dem dunklen Brot in Abwechslung mit dem
Saft. Das süßliche Birnige gepaart mit dem
säuerlichen Apfel passte hervorragend zu dem
herzhaften Wild.
Nachdem sie ausgiebig gegessen hatten, packten
sie wieder alles zusammen und machten sich auf
den Rückweg zum Auto, sie hatten noch eine gute
Strecke zurückzulegen.
(…)
Bedrängnisse
Es war ziemlich dunkel, als Doro um die Ecke der
Straße zum Rhein abbog. Eine Straßenlaterne war
anscheinend defekt und so blieb ihr bis zum
Wagen nur die diffuse Beleuchtung der anderen
Lampen. Sie zog die Schlüssel für ihren Mini aus
der Jackentasche und ließ per Fernbedienung die
Türen aufklacken. Die Blinker leuchteten kurz
auf. Sie war schon fast am Auto, als sie von
hinten ein Geräusch hörte und sich kurz
umdrehte. In der Dunkelheit meinte sie Ferdi
direkt hinter sich zu erkennen, dann nahm sie
nur noch den beißenden Geruch von Chloroform
unmittelbar auf ihrem Gesicht wahr. Dass sie
gepackt und zu Boden gedrückt wurde, war nur wie
eine ferne Erinnerung. Alles war weit, weit weg
und schwarz und seltsam wie in Watte gepackt.
Sie verlor das Bewusstsein.
(…)
„Und jetzt ab, rein da!“, befahl Mayerling und
knipste eine Taschenlampe an, die er aus dem
Rucksack gezogen hatte. Er stupste Rainer vor
sich her.
Sie betraten den Stollen. Es war kalt, feucht
und dunkel, nur der Lichtkegel der Lampe gab
ihnen ein wenig Sicherheit. Sie mussten sich
ducken, weil der Schacht recht niedrig war.
Rainer hörte, wie irgendwo weiter vor ihm Wasser
tropfte. Es roch muffig, nach Pilzen und Moder.
Rainer schätzte, dass sie etwa 15 bis 20 Meter
tief gekommen waren, als der Schacht
unvermittelt endete. Es war kein Erdrutsch, der
ihnen den Weg versperrte, sondern der Stollen
war offensichtlich einfach nicht weiter in den
Felsen hineingetrieben worden. Wahrscheinlich
gab es keine Ausbeute oder der Abbau lohnte sich
nicht. Mayerling fluchte.
„Und was jetzt, großer Schatzsucher. Hat
Indianer Jones vielleicht noch was auf Lager?
Vielleicht noch eine Karte?“, spottete Rainer
ironisch.
„Dir wird das Lachen noch vergehen“, presste
Mayerling heraus.
Er holte aus seinem Rucksack einen Klappspaten
und drückte ihn Rainer in Hand.
„Graben!“, befahl er.
Rainer versuchte am Ende des Tunnels zu graben,
aber die Felswand ließ sich nicht erweichen, er
kam nicht voran.
„Das geht nicht, … hier kommen wir nicht
weiter“, keuchte er.
„Dann am Boden, grab am Boden“, kommandierte
Mayerling.
Aber auch hier hatte Rainer keinen Erfolg, so
sehr er sich auch anstrengte.
Verzweifelt leuchtete Mayerling mit der
Taschenlampe die Wände ab. Aber es gab keinen
weiteren Gang, es gab kein Fortkommen und es gab
vor allem - keinen Schatz.
Er drehte sich um und ging zum Eingang zurück.
Rainer folgte ihm. Sie hatten schon über Hälfte
des Weges zurückgelegt, da drehte sich Mayerling
plötzlich um und schubste Rainer mit aller Macht
zurück in die Dunkelheit. Rainer fiel rückwärts
auf den nassen Schachtboden und sah wie
Mayerling nach vorne lief und am Ausgang die
Stützbalken wegriss. Mit einem lauten Schlag
stürzten Geröll, Steine und Erde herunter.
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Labsal für die Seele,
eigenheim-verpackt, mit Schleife.
Alles seinen Gang gehen lassen,
endlich unendlich, müde vom Suchen und Kämpfen.
Kellertiere unter den Teppich,
hier wird nicht rumgekrabbelt!
Hier wird gelebt, hier ist Insel,
Eden, keine Asseln erlaubt!
In ewigem Frieden ruht man hier
- in sich.
Lieb und Frieden,
ach wenn es doch so wäre...
Diese Tage im Hunsrück
Diese Tage im Hunsrück,
nebelverhangen,
vom Morgen bis zum Abend
nur Dämmerung.
Ohne Uhr, keine Orientierung.
Wie ein kalter Hauch Gottes
wird alles eingetaucht
in dieses feuchte Grau
und die Zeit scheint still zu stehen,
die ganze Zeit.
Keine Veränderung,
kein Vor, kein Zurück,
nur Dämmerung.
Ohne Uhr, keine Orientierung.
Bis es ganz dunkel wird
und das Grau die Nacht
fast erhellt.
Rose
mit Dornen 1
Komm und tanz
mit mir,
du Rose mit Dornen,
so rot wie deine Blüte,
so heiß wie dieser Frühling.
Komm und tanz
mit mir,
du Rose, noch einmal, vielleicht.
Abgeschnitten ist dein Stängel,
verloren sind schon einige Blütenblätter.
Komm und tanz
mit mir,
du Rose, einzig wie du bist,
zu schön um ewig zu sein,
zu vergänglich, zu schnell.
Komm und tanz
mit mir,
du Rose, du Königin.
Zu süß ist dein Duft noch immer,
und so schal dein Nachgeschmack.
Komm und tanz
mit mir,
du Rose mit Dornen,
war ich es doch,
der dich gebrochen hat.
Als ich dich besaß,
warst du verloren.
Komm und tanz
mit mir,
du Rose mit Dornen.
Die Erde ist deine Mutter,
so auch die meine.
Werde ich sie je wieder berauben?
Dichter 1
Immer der Versuch
eine bessere Welt zusammen zu schreiben.
Einen besseren Menschen zusammen zu reimen,
in dem Bewusstsein:
die bessere Welt, der bessere Mensch
fängt an beim besseren Selbst.
Wie ungleich schwerer ist es,
sich selbst besser zu schreiben
und sich einen Reim
auf sich selbst zu machen.
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Für alle Texte gilt das Urheberrecht!



