Leseprobe

Leseprobe "Balduinsmord"

„Wenn man von Kastellaun kommend links nach Buch abbiegt und weiter Richtung Mastershausen fährt, kommt man an der Ruine der Burg Balduinseck vorbei. Romantisch im Tal gelegen ...“

Er wollte, er wäre nie dieser Beschreibung aus dem Internet gefolgt. Oder er hätte nicht zuviel Kaffee getrunken. Die Leiche roch schon ziemlich übel und es wimmelte von Fliegen. Die Polizei hat Spezialisten, die anhand der Maden an einer Leiche den Todeszeitpunkt genau feststellen können. Wahrscheinlich lag sie schon eine Woche oder länger im Dickicht, unterhalb der Ruine. Er entdeckte sie nur zufällig, da er mal austreten musste und nicht oben auf der Burg oder an der Straße erwischt werden wollte. Also ging er den Weg vom Parkplatz aus etwas weiter in den Wald hinein und hielt sich hinter einer kleinen Brücke rechts. Das Blätterdach ließ einzelne Strahlen der Sonne auf den Waldboden fallen und das Plätschern des nahen Baches verstärkte seinen Drang nach Erleichterung noch zusätzlich. Während er sein Geschäft an einem Strommast in der Biegung des Weges erledigte, roch da etwas merkwürdig. Zunächst dachte er an Pilze, Stinkmorcheln oder ähnliches. Aber dann sah er die vielen Fliegen. Ein totes Tier, Fuchs, Marder, Wildsau oder Reh war sein erster Gedanke. Rehe tragen aber keine Jeans und auch keine karierten Hemden. Leider. So kam es, dass er zum ersten Mal in seinem Leben eine angemoderte Leiche zu Gesicht bekam. Unwillkürlich sprang er ein paar Meter zurück, rannte den Weg hoch zur Straße und blickte verängstigt um sich. Natürlich war da keiner, und selbst wenn, hätte man sofort erkennen können, dass er mit diesem Verbrechen nichts zu tun hatte, lag diese Leiche doch vermutlich schon länger im Wald. Wieder zuckte er innerlich zusammen. Wieso dachte er sofort an ein Verbrechen? Könnte ja auch ein Unfall oder Selbstmord gewesen sein. Unschlüssig stand er da und überließ sich seinen Gedanken. Es war nicht nur die mittägliche Sonne, die ihm Schweißperlen auf die Stirn steigen ließ.

(…)

Er hielt den Hemdsärmel vor die Nase und versuchte, vorsichtig durch das Grünzeug zu kommen. Brennnesseln und anderes Kraut standen schon ziemlich hoch, und da er nicht zuviel Spuren hinterlassen oder vielleicht wichtige Spuren verwischen wollte, bewegte er sich wie in Zeitlupe. Der Schweiß rann ihm am Körper hinunter und tropfte von seiner Stirn. Schon wieder DNA-Spuren. Endlich war er so nah an der Leiche, dass er einen langen Blick riskieren konnte. Der Tote, es war eindeutig ein Mann, lag mit dem Gesicht oder mit dem was davon übrig war, seitwärts nach vorne, in Richtung eines Felsens. Bekleidet war er mit einer Jeans und einem grün-gelb karierten Hemd, was Weingard beim ersten Blick schon registriert hatte. Ein großer Stein hatte ihm den Schädel von hinten zerschmettert. Er lag auf dem Bauch. Weingard erschauderte. Hinten aus der rechten Jeanstasche lugte ein kleines Stück Papier heraus. Hatte der Mörder etwas vergessen? Langsam bückte er sich. Vorsichtig zog er an dem Papier, aber es riss an der Ecke ab. Zu feucht, Tau, Regen, wer weiß, wie lange der Tote hier schon lag. Er unternahm einen zweiten Versuch, diesmal mit beiden Händen, weshalb er seine Nase nicht mehr schützen konnte. Mit zwei Händen ging es natürlich leichter und er zog langsam einen Zettel aus der Gesäßtasche. Dann wurde ihm übel, schwindelig, er musste tief einatmen, was diesem Zustand nicht gerade zuträglich war. Nachdem er einen tiefen Atemzug leichengeschwängerter Luft in den Lungen hatte, drängte alles aus ihm heraus. Die Luft samt seinem Mittagessen. Er konnte sich gerade noch umdrehen und einen Meter weit dem Weg zulaufen. Er übergab sich am Wegesrand und merkte, wie er am ganzen Körper zitterte.

(…)

Ich wusste gar nicht, was für ein mächtiger Mann der Balduin war. Die Kastellauner Burg hingegen gehörte den Sponheimern und die waren nicht gut auf Balduin zu sprechen. „Wieso denn das?“, fragte Doro interessiert „Pass auf“, begann Rainer seineAusführungen, „das war so: Die Sponheimer waren eigentlich ziemlich mächtig und haben sogar an einer der ältesten Universitäten Europas, in Bologna, studiert. Man kann im alten Universitätsgebäude heute noch die Wappen derer, die dort studiert haben, an den Deckengewölben sehen. Jedenfalls sollte einer der Sponheimer Brüder, Emich, Karriere in der Kirche machen, während die beiden anderen Brüder die weltliche Macht innehatten. Graf Johann II. blieb in Kreuznach, Graf Simon II. in Kastellaun. Emich sollte oder vielmehr wollte Erzbischof von Mainz werden. Der Papst setzte aber einen anderen ein, nämlich Peter von Aspelt, der wiederum aus einem luxemburgischen Geschlecht entstammte. Genau wie Balduins Vater, Heinrich III. Graf von Luxemburg. Als dann etwas später der Posten des Erzbischofs von Trier zu besetzen war, kam nicht etwa Emich an die Reihe, sondern wieder einer aus Luxemburg: Balduin, damals gerade mal 22 Lenze alt. Kannst du dir vorstellen, wie sauer die Sponheimer waren? Aber es kommt noch dicker: Als Erzbischof von Trier war Balduin im Wahlgremium für den König. Und rate mal, wer König des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation wurde: Heinrich VII., ein Bruder von Balduin. Der verhalf seinem Sohn Johann auch noch zur böhmischen Krone. Amigowirtschaft nennt man das heute. Die Sponheimer werden Gift und Galle gespuckt haben, dass sie im wichtigsten Gremium der damaligen Zeit nichts zu sagen hatten. Heinrich wurde in Rom zum Kaiser gekrönt, hatte aber nicht mehr viel davon. Auf dem Rückweg von Rom starb er. Danach gab es natürlich ein ziemliches Gerangel um die Nachfolge, bei dem die Sponheimer auch mitmischten. Jeder wollte seinen Favoriten und damit Fürsprecher, wenn es um Macht und Ämter ging, auf dem Thron haben. Dabei gerieten sich die Sponheimer und Balduin auch hier in Kastellaun in die Wolle, und nur durch die Bitte um Gnade von Simons Frau, die über Ecken auch mit Balduin verwandt war, verschonte Balduin Burg und Stadt. Dafür hielten sich die Sponheimer dann aus der Königswahl raus. Das war ...“, Rainer blätterte in dem Buch, „... das war 1320/21, steht hier. 1325 wurde die Burg Balduinseck gebaut. Und zwar überließen die Bucher Ritter Richard und Wirich aus Buch Balduin das Land, auf dem die Burg gebaut wurde, und verpflichteten sich und ihre Nachkommen der Treue zu Balduin und Trier. Als Gegenleistung durften sie sich auch was Befestigtes auf dem Land bauen und hatten natürlich auch Balduins Schutz, wenn es hart auf hart kommen würde.“ 

„Hört sich fast an wie bei Dallas.“
Rainer blickte ungläubig
„Na ja“, fuhr Doro fort, „Intrigen um Macht und so weiter. Nur die Frauen kommen ein wenig zu kurz in der Geschichte.“
„Wahrscheinlich, weil es Geschichte ist und nicht was Ausgedachtes aus Hollywood. Aber es gibt eine Frau, die Balduin übel mitgespielt hat. Das war ...“, wieder musste Rainer blättern, „... das war 1328, da wurde Balduin von einer gewisse Loretta von Sponheim auf einer Moselfähre gefangen genommen und nach einem Monat erst wieder gegen ein hohes Lösegeld freigelassen. Mehr Widerstand gab es anscheinend nicht.“
„Aber wenn die Sponheimer geschlagen waren, wofür brauchte Balduin die Burg im Tal? Um sie in Schach zu halten?“
Rainer dachte nach.
„Vielleicht brauchte nicht Balduin die Burg, sondern die Burg brauchte Balduin.“
„Wie meinst du das?“, fragte Doro.
„Aus welchem Grund sollten zwei Ritter aus dem Hunsrück, entschuldige bitte, aber doch irgendwo am Arsch der Welt, Balduin ein Stück Land geben? Im Gegenzug für Schutz. Fühlten sie sich bedroht von den Sponheimern? Die hatten doch nicht mehr viel zu sagen. Und warum sollte Balduin einen Haufen Geld für eine Festung ausgeben, die er gar nicht mehr benötigte. Worauf ich hinaus will ist Folgendes: Was haben die Ritter in Buch gehabt, dass es für Balduin wichtig war, sie zu schützen? Oder in die heutige Zeit übertragen: Was haben die Bucher Ritter an Schutzgeld gezahlt, was zur nächsten Frage führt: hatten die überhaupt Geld und woher?“

(…)

Es wurde Zeit, systematisch an die Sache heranzugehen. Als Webdesigner musste er systematisch denken, um eine vernünftige Navigation auf den Seiten zu erreichen. Er schaltete den Computer an und öffnete eine neue Word-Datei. Sonst arbeitete er mit anderen Programmen, aber für eine einfache Seite reichte das Standardprogramm allemal. Er öffnete es und legte eine Webdatei an. Jetzt musste er nur noch Seiten mit entsprechenden Inhalten versehen und diese miteinander verlinken. Eine Navigationsleiste dazu und fertig war das System. Er wählte eine Startseite mit zwei Fenstern, links ein schmales für die Navigation, rechts ein großes für den Inhalt. Er begann mit der Navigation:

„Balduinseck“
„Ritter“
„Balduin“
„Dechambre“
„Dechambre 2“
„Lasalle“

Dann öffnete er eine neue Seite, und nannte sie Balduinseck. Hier kamen alle Informationen hinein, die er über die Ruine sammeln konnte. Dazu ging er ins Netz und lud sich von der Bucher Seite alles herunter, was er brauchen konnte. Als Nächstes kam die Seite mit den Rittern. Auch hier bemühte er das Internet, um die Informationen über Richard und Wirich von Buch zu erhalten. Zusätzlich suchte er über Google noch ein paar Seiten mit Angaben über Ritter allgemein, Kreuzzüge und Burgen heraus und übernahm einiges von diesen Webseiten. Ebenso verfuhr er bei Balduin. Nun kam das schwierigere Gebiet. Dechambre und Lasalle. Rainer tippte ein, was er an Informationen über die beiden hatte. Am Ende verlinkte er alle Seiten miteinander. Die Datei nannte er 
„BALDUINSMORD“. (hier geht es zu Rainers Web) 

Leseprobe "Lieb und Frieden"

Lieb und Frieden

Labsal für die Seele,
eigenheim-verpackt, mit Schleife.

Alles seinen Gang gehen lassen,
endlich unendlich, müde vom Suchen und Kämpfen.

Kellertiere unter den Teppich,
hier wird nicht rumgekrabbelt!

Hier wird gelebt, hier ist Insel,
Eden, keine Asseln erlaubt!

In ewigem Frieden ruht man hier
- in sich.

Lieb und Frieden,
ach wenn es doch so wäre...




Diese Tage im Hunsrück

Diese Tage im Hunsrück,
nebelverhangen,
vom Morgen bis zum Abend
nur Dämmerung.

Ohne Uhr, keine Orientierung.
Wie ein kalter Hauch Gottes
wird alles eingetaucht
in dieses feuchte Grau
und die Zeit scheint still zu stehen,
die ganze Zeit.

Keine Veränderung,
kein Vor, kein Zurück,
nur Dämmerung.
Ohne Uhr, keine Orientierung.
Bis es ganz dunkel wird
und das Grau die Nacht
fast erhellt.

 

Rose mit Dornen 1

Komm und tanz mit mir,
du Rose mit Dornen,
so rot wie deine Blüte,
so heiß wie dieser Frühling.

Komm und tanz mit mir,
du Rose, noch einmal, vielleicht.
Abgeschnitten ist dein Stängel,
verloren sind schon einige Blütenblätter.

Komm und tanz mit mir,
du Rose, einzig wie du bist,
zu schön um ewig zu sein,
zu vergänglich, zu schnell.

Komm und tanz mit mir,
du Rose, du Königin.
Zu süß ist dein Duft noch immer,
und so schal dein Nachgeschmack.

Komm und tanz mit mir,
du Rose mit Dornen,
war ich es doch,
der dich gebrochen hat.
Als ich dich besaß,
warst du verloren.

Komm und tanz mit mir,
du Rose mit Dornen.
Die Erde ist deine Mutter,
so auch die meine.
Werde ich sie je wieder berauben?


Dichter 1

Immer der Versuch
eine bessere Welt zusammen zu schreiben.
Einen besseren Menschen zusammen zu reimen,
in dem Bewusstsein:
die bessere Welt, der bessere Mensch
fängt an beim besseren Selbst.

Wie ungleich schwerer ist es,
sich selbst besser zu schreiben
und sich einen Reim
auf sich selbst zu machen.

 Mehr Gedichte unter: www.stenick.de

Für alle Texte gilt das Urheberrecht!


Parse error: syntax error, unexpected T_ECHO, expecting ',' or ';' in /is/htdocs/wp1061466_86SA42JQNT/www/balduinsmord.de/footer.php on line 5